Geschichte der Kampfkunst

 

Die Geschichte der Kampfkunst

Übersetzung von Julia Fellermeier

Die Geschichte der Kampfkunst im Orient beinhaltet viele Beispiele paralleler Entwicklung und wechselseitigen Einflusses, sowohl in bezug auf Techniken als auch in bezug auf Philosophie. Die Einwohner jeder Region entwickelten ihre eigenen Angriffs- und Verteidigungsmethoden. Während des Chaos jahrhundertelanger Kriege entstanden diese Methoden aus Bemühungen und Erkenntnissen von Männern genauso wie Frauen. Als technische Neuheiten erfahrene Kämpfer auf dem Schlachtfeld ersetzten, wurden diese Kampfstile zu einer Lebensart, die man nutzte um Körper und Geist zu trainieren. Die Hauptstilrichtungen aus denen Cuong-Nhu abstammt teilen alle diese Herkunft.

Die vietnamesische Kampfkunst begann ihre Entwicklung während der Kriege gegen Eindringlinge aus den umliegenden Ländern und nutzte wegen des schmächtigen Körperbaus der vietnamesischen Bevölkerung den weichen Ansatz der Selbstverteidigung. Im Jahr 1253 wurde die erste nationale Schule für Kampfkünste am kaiserlichen Hof eröffnet, an der man akademische Grade erwerben konnte. Diese Schule unterrichtete waffenlosen Kampf, den Gebrauch von 18 unterschiedlichen Waffen, Taktik, Techniken zur Wettervorhersage und Kriegsstrategie. Einige Jahre später wurde das erste Kampfsportturnier abgehalten und Tran Quoc Toan wurde nationaler Meister. Den 15. Platz errang eine Prinzessin namens Thuy Tien. Tran Quoc Toan war weithin bekannt als Jugendheld, da er geholfen hatte, mongolische Truppen zu besiegen. Im Alter von 16 Jahren hatte er schon das Kommando einer Armee von jugendlichen freiwilligen Soldaten übernommen.

Das Volk der Provinz Binh Dinh in der Mitte von Vietnam ist berühmt für sein Können in den vietnamesischen Kampfkünsten. Zwei Experten aus Binh Dinh waren Quang Trung, einer der Könige Vietnams und sein weiblicher General Bui Thi Xuan. Xuan war oberste Ausbilderin einer Kampfsportschule und bewies ihre Fähigkeiten, indem sie einen Tiger besiegte, um einem Mann, den sie später heiratete, das Leben zu retten. Sie wurde gerühmt für ihren Mut und ihre Führungsqualitäten.

Im Jahr 1946 systematisierte Großmeister Nguyen Loc die verschiedenen Stilrichtungen der vietnamesischen Kampfkunst und benannte die sich daraus ergebende Kunst Vovinam (vo: die Kampfkunst, vinam: Abkürzug für Vietnam). Sein Nachfolger, Le Van Sang, änderte diesen Namen später zu Viet Vo Dao ( viet: Vietnam, vo: die Kampfkunst, dao: der Weg).

Die Grundlage für Shaolin-Boxen oder Kung Fu wurde im Jahr 540 nach Christus geschaffen, als ein indischer Mönch namens Bodhidharma, der Führer des Zen-Buddhismus nach Nordchina reiste um den Buddhismus zu lehren. Er unterrichtete in einem Shaolintempel, in dem die Mönche in einer so schlechten körperlichen Verfassung waren, dass er ihre stundenlange bewegungslose Meditation durch eine Serie aus 18 Übungen ergänzte, durch die sie ihre Atmung, Durchblutung und das Zusammenwirken von Körper und Geist verbessern sollten. Er schuf eine äußere Form mit Betonung auf Lockerung der Gelenke, Knochen und Muskeln, Beweglichkeit und dem Zusammenspiel von hart und weich. Diese Trainingsmethode wurde durch traditionelle chinesische Kampfkunst angereichert.

>Regelmäßige Tempelbrände in dieser Epoche trieben die Mönche aus ihrem Tempel. Ihre Kunst verbreitete sich in ganz Asien. Aus dieser Zeit stammt das Sprichwort „Die Leute aus dem Norden treten, die Südländer schlagen.“ Diese Mönche, die es in den Norden verschlagen hatte wurden Reiter und Bergsteiger und entwickelten deshalb eine starke Beinmuskulatur und Techniken bei denen dies nützte. Die Mönche in der südlichen Region brillierten in Handtechniken, da sie die Hände zum Bootfahren und für den Ackerbau benutzten.

Im 14. Jahrhundert während der Yüan Dynastie studierte Meister Chang San-feng, ein taoistischer Priester, Tao Yin, eine frühe chinesische Atemkunst, die der Vorläufer von Tai Chi war. Als Gründer des Yang Stiles des Tai Chi Chuan („die letzte Faust“) betrachtet, war er derjenige, der diese nahe Form der Kampfkunst einführte und systematisierte. Sie konzentriert sich auf das Trainieren von Knochen und Muskeln, um einen Gegner im Moment des Angriffs zu überraschen und dabei Atmung und Bewegung vom langsamsten bis zum schnellsten Moment zu beherrschen.

Yim Wing Chun, deren Name „ewiger Frühling“ bedeutet, war eine Frau, die bei der buddhistischen Nonne Ng Mui Kung Fu studierte. Der Stil, den sie unterrichtete, war begründet auf Nahkampf und sparsamen Bewegungen. Yim, so sagt man, beobachtete einen Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange, woraufhin sie die Fähigkeiten beider Tiere und das Training das sie von Mui empfing vereinte um Wing Chun zu entwickeln.

Die Entwicklung der Kampfkunst in Okinawa wurde stark von chinesischen Kampftechniken beeinflusst. Shaolin Kung Fu erreichte schließlich Okinawa und entwickelte sich zum regionalen Stil, bekannt als Okinawa-te. Chinesische Missionare und Händler brachten immer mehr Techniken nach Okinawa und viele Meister reisten von dort nach China um ihr Training zu verbessern. Im 17. Jahrhundert stand Okinawa unter japanischer Herrschaft und die Nationalpolitik verbat den Besitz von Waffen. In dieser feindseligen Umwelt wurde Okinawa-te zu Karate (kara: Chinese, te: die Hand) und wurde außerordentlich wichtig als Mittel zur Selbstverteidigung.

Im Jahr 1922 gab Meister Gichin Funakoshi , der damals Präsident der Gesellschaft der Kampfkünste in Okinawa war, eindrucksvolle Demonstrationen in Japan. Er zog dadurch eine große Anzahl von Schülern an und blieb dort, um Karate zu unterrichten. Viele Meister aus Okinawa folgten ihm und gründeten ihre Schulen in ganz Japan.

Funakoshi war wie viele meister der Kampfkunst vielseitig begabt. Der Name seines Stils, Shotokan (sho: das Schreiben, do: der Weg; kan: das Haus) resultierte aus Funakoshis Schriftname „Shoto“ und war eine Widmung an seinen Kalligraphiemeister. In der Tat war es Funakoshi, der die Schreibweise des Ausdrucks Karate änderte, so dass es „die Kunst der leeren Hand“ bedeutete (kara: leer, te: die Hand).

Greifen, Ringen und Wurftechniken waren Teil der traditionellen japanischen Kampfausbildung und haben in vielen Formen bis in die moderne Zeit hinein überlebt. Sie alle zeichnen sich durch einfache, bestimmte Bewegungen aus. Zum Beispiel Jujitsu (ju: weich, fließend, jitsu: die Techniken), von Hisamori Takenouchi im Jahr 1532 zusammengestellt, befürwortet Nahkampftechniken, die auf lebenswichtige Körperteile zielen, Wurftechniken, Gelenksperren, Halte- und Würgegriffe. Im Jahr 1882 schuf Meister Jigoro Kano, ein Jujitsuexperte, eine neue Kampfsportart, indem er Jujitsus tödliche Elemente ausschloss und Regeln festsetzte. Er nannte seinen neuen Stil Kodokan Judo. Judo (ju: weich, do: der Weg) heißt „sanfter Weg“. Es beinhaltet das Vorausahnen eines gegnerischen Angriffs, den Gegner mit minimalem Kraftaufwand aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu werfen oder Haltegriffe und Gelenksperren anzuwenden. Ein Judoka übt sich in freiem Angriff, dem Fallen, und darin, die Schwächen des Gegners zu erkennen und auf seine Bewegungen zu reagieren.

Aus Jujitsu ging außerdem Aikido (ai: kombinieren, ki: die innere Stärke, do: der Weg) hervor, ein defensiver Stil, der Gelenkmanipulationen, Würfe und einige Elemente des Kendo vereint. Aikido lehrt das Zusammenwirken von Geist und Körper, um das Gewicht und die Kraft des Angreifers zum Vorteil des Verteidigers zu nützen. Im Jahr 1938 wurde die erste Aikidoschule von Meister Morihei Ueshiba, dem Gründer, eingerichtet. Als sanfter Kampfstil steht Aikido für ganzheitliches Training, dessen Grundlage die Liebe ist.

 

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